Nominierungen 2019 | Produktdesign | Tre

Nominiert 2019 in der Kategorie: Produktdesign, Young Professional

Tre

Eingereicht von Maike Panz



Keramik ist eines der ältesten Handwerke, das einen ganz wesentlichen Teil einer jeden Kultur ausmacht. Archäologische Funde belegen flächendeckende Verwendung von Keramikgefäßen und Tongegenständen, wie kleine tierische und menschliche Figuren, die einen Teil der Kultur verkörpern und Geschichten über Zeremonien und Rituale erzählen.

Wissenschaftler der University of Minnesota untersuchten 2014 die Auswirkungen von Ritualen auf den Genuss des Essens. Sie stellten dabei fest, dass gerade die Kraft der Rituale und die mit ihnen verbundenen physiologischen und psychologischen Vorgänge im Körper das Essvergnügen deutlich steigern. Rituale lassen die Nahrung nicht nur besser schmecken; sie bilden einen ganz wesentlichen Teil kultureller Identifikation. Die Esskultur umfasst dabei das gesamte kulturelle Umfeld der Ernährung des Menschen. Sie reicht von Tischsitten über Rituale und Zeremonien bis hin zu Speisen und regionalen Spezialitäten.

Jedes Land besitzt hierbei seine spezifische Esskultur mit ureigenen Sitten, Gewohnheiten und unverwechselbaren Ritualen. Besonders beim direkten Vergleich unterschiedlicher Kulturen wird ein breites Spektrum deutlich: Während in Europa z. B. die Essensaufnahme mit aufrechter Haltung und geräuschlosem Kauen als vorbildlich gilt, wird in China das Mahl als Entspannung gesehen, bei dem Rülpsen oder Schmatzen dazugehören; während es in Deutschland üblich ist, auf Stühlen und an einem Tisch sitzend mit Messer und Gabel zu essen, ist es in vielen asiatischen Ländern gewöhnlich, auf dem Boden zu sitzen und mit Stäbchen zu essen. Somit formen nicht nur das Essen selbst und die Rituale die Esskultur – auch alle in Bezug auf die Nahrungsaufnahme genutzten Gegenstände wie Möbel, Besteck und Geschirr machen einen Teil der Esskultur aus und prägen diese.

Inspiriert durch einen Auslandsaufenthalt in Asien entstand in mir die Idee, ein Essgeschirr zu kreieren, welches auch jenseits des gewohnten Umfeldes (also nicht an einem Tisch und auf Stühlen sitzend) vollumfänglich einsetzbar ist. Die reiche Keramikkultur Mexikos, in der viele Gefäße mit Beinen zu finden sind, hat mich dazu inspiriert, ein Essgeschirr mit ganz speziellen Eigenschaften zu erschaffen und die visuellen Eindrücke im Entwurf zu integrieren.

In meinem Entwurf ließ ich die unterschiedlichen Impressionen aus den verschiedenen Kulturen zusammenfließen.

Das Ergebnis ist Tre – ein dreibeiniges Essgeschirr, dessen besondere Form es ermöglicht, dieses Gefäß auf einer unebenen Fläche (wie dem eigenen Bein) abzustellen – oder es bequem in einer Hand zu halten, während mit der anderen gegessen wird. Hierbei dient die außergewöhnliche Form dazu, Tre auch jenseits des gewohnten Umfeldes zu nutzen: Beispielsweise im Freien, ganz ohne Möbel und Besteck, beim Essen im Freien, dem Frühstück im Grünen. So soll die ungewohnte Nutzung von Essgeschirr dazu führen, dass ein Umdenken stattfindet, das einen bewussteren Umgang mit Essen mit sich bringt und Freiraum für neue Rituale schafft.