Nominierungen 2019 | Industriedesign | The Foiling Dinghy

Nominiert 2019 in der Kategorie: Industriedesign

The Foiling Dinghy, die fliegende Jolle für jedermann

Eingereicht von Thilo Keller für AST – Advanced Sailing Technologies GmbH, Potsdam



Unser Unternehmen, die Advanced Sailing Technologies GmbH (AST), ist eine Werft mit Schwerpunkt auf Fertigung und Tuning von High Performance-Yachten. Die Wertschöpfung erstreckt sich hierbei vom Design über die Konstruktion und (Prototypen-)Fertigung sowie den Vertrieb. Unsere Spezialisierung liegt auf dem sogenannten Foilen, dem Segeln auf Tragflächen.

Foiling: Die Revolution des Wassersports

Segeln auf Tragflächen ist das Thema, welches seit ein paar Jahren den Segelsport revolutioniert. Nach dem Prinzip eines Flugzeugflügels wird der Rumpf des Schiffes durch unter Wasser liegende Hydrofoils aus dem Wasser gehoben. Der Widerstand im Wasser verringert sich dadurch enorm und erlaubt damit um 50% höhere Geschwindigkeiten. Somit werden regelmäßig Bootsgeschwindigkeiten bis zur 3-fachen Windgeschwindigkeit erreicht.

Durch seine innovative Technologie ermöglicht AST dem Hobbysegler die atemberaubende Erfahrung des Fliegens über Wasser.

Aufgrund der omnipräsenten Berichterstattung zum America‘s Cup mit foilenden Booten wächst die Nachfrage auch unter Freizeitseglern rasant. Die am Markt verfügbaren Foil-Systeme sind weder ausgereift, noch generieren sie stabile Flugphasen. Die meisten Systeme erfordern großes Geschick und Talent des Seglers und sind für den Freizeitskipper zu kompliziert und nicht sicher zu bedienen.

Als Geschäftskern wird ein eigens entwickeltes, innovatives Foil-System angeboten. Neben dem Design der Foils wurde die Aufhängung dieser im Rumpf revolutioniert. Diese weist erstmalig eine automatische Verstellung durch eine starr-elastische Kopplung der beiden Foils auf. Dabei kippen die Foils zusätzlich seitlich nach außen und ermöglichen somit extrem stabile Flüge ohne aktive Bedienung durch den Segler.

Mit „The Foiling Dinghy“, einer foilenden Einhandjolle als Einstiegsprodukt ist geplant, sich innerhalb von 5 Jahren als Referenzwerft in der Nische für High-Performance-Segelyachten zu etablieren. Als erstes Serienprodukt wurde im Juni 2018 eine Jolle mit dem innovativen Foil-System auf den Markt gebracht.

So entwickelte Thilo Keller das Designkonzept zu „The Foiling Dinghy“, der fliegenden Einhandjolle für jedermann. Dieses fußt auf vier Säulen: das Boot muss einfach zu foilen, sicher aber dennoch spaßig zu segeln, robust und erschwinglich sein. Von Anfang an wurde das Boot um den anzustrebenden Marktpreis von 12.990€ designt und so auch das Fertigungsverfahren geplant. Nach der Veröffentlichung der ersten Renderings im November 2017, erfolgte die Erstwasserung des Prototypen planmäßig Anfang März 2018. Seit Juni 2018 wird erfolgreich ausgeliefert.

The Foiling Dinghy ist so einfach zu segeln wie andere Segelboote in der Größe, aber foilt und ist zudem erschwinglich. Durch das Konzept und die Preisgestaltung hat die Jolle das Potential zum Volksfoiler.

Das zum Patent angemeldete Foil-System von AST stellt in dieser Hinsicht einen wesentlichen Durchbruch für den Massenmarkt dar. Thilo Keller hat als Schiffbauingenieur sein eigenes Foil-System entwickelt. Für das sogeannte „Automatic Cant Control“ erhielt AST den von BMW-dotierten Foiling Week Award, dem wichtigsten Branchenpreis in diesem Spezialgebiet.

Die Serienfertigung der Jolle findet in unserer Werft in Potsdam-Babelsberg statt. Der Standort, unweit des Wannsees, bietet kurze Wege zum Testen von Prototypen bzw. Produktweiterentwicklungen. Die Serienproduktion startete im Mai 2018 nach dem ausführlichen Testen und Anpassen des Prototypen. Bis auf Mast und Segel werden alle Komponenten von AST gebaut. Gefertigt wird in Vakuuminfusion. Bei dem Verfahren der Infusion können alle Materialien trocken zugeschnitten und nach Laminatplan im Bauteil eingelegt werden. Anschließend wird das Bauteil evakuiert und das Epoxidharz eingeschossen. Durch die Eigenschaften des Harzes wird ein weiterer Fertigungsschritt nötig, das Tempern bei ca. 60°C. Als Materialien verwenden wir hochwertige Kohle- und Glasfaser sowie Sandwichmaterialien. Außerdem bauen wir insgesamt acht Bauteile ein, die im 3D-Druckverfahren gefertigt sind. Durch die Optimierung der hausinternen Fertigungsschritte, dem Einsatz von innovativer Technologie sowie die Nutzung hochwertiger Materialien ist es uns gelungen, die Fertigungszeit auf ein Minimum an Arbeitsstunden zu reduzieren. Somit sind wir in der Lage, zu einem konkurrenzfähigen Preisniveau Composite-Bauteile zu fertigen. Damit können wir auf die Auslagerung von Baugruppen nach Osteuropa verzichten.