Interview | Katrin Krupka

Stellen Sie Ihren mit dem Designpreis 2015 ausgezeichneten Beitrag kurz vor!

Industrielle Baumwollabfälle werden in der Regel nicht adäquat nachgenutzt, sondern verbrannt. Im Projekt recreate textiles haben wir als Berliner Produktdesignstudio krupka–stieghan aus
industriellen Baumwollabfällen eine Recyclingmaterial-Kollektion in den Bereichen Vlies und biobasierter Naturfaserkunststoff, sowie potentielle Anwendungsmöglichkeiten im Interiordesignbereich entwickelt. Das Team arbeitete in diesem Projekt in Kooperation mit dem Frottierwarenhersteller möve GmbH, dem Sächsischen Textilforschungsinstitut und der BASF Designfabrik.

Warum haben Sie gerade diesen Beitrag eingereicht?

Das Projekt ist aus meiner Masterarbeit entstanden, die ich an der FH Potsdam erstellt habe. Also ist das ein Projekt, was in Brandenburg entstanden ist und da sehe ich natürlich den Bezug zum Designpreis.

Sie haben Ihren Beitrag bei den Brandenburger Designtagen ausgestellt. War das ihre erste Ausstellung? Wie war es für Sie Ihre eigenen Werke in einer Ausstellung zu sehen?

Nein, ich habe zuvor schon auf einigen Messen ausgestellt, aber es ist immer wieder schön, Feedback von Besuchern zu bekommen.

Warum haben Sie sich gerade mit dem Thema Recycling beschäftigt?

Es gibt derzeit einige große wichtige Themen, wie Mobilität und Vernetzung, aber nach wie vor hat das Thema Ökologie eine enorme Bedeutung, die weiter steigen wird. Ressourcen gehen zu Ende und das Recycling von Material und Produkten wird an Wichtigkeit zunehmen. Mit dem Projekt recreate textiles kombinieren wir in einem innovativen Entwicklungsprozess Designkompetenz und technisches Know-How, um mit der Materialkollektion Lösungsansätze für ein Problem aufzuzeigen, das die gesamte Textilindustrie betrifft.

Die prämierte Kollektion war Teil Ihrer Masterarbeit. Was haben Sie nach Ende Ihres Studiums gemacht? Womit beschäftigen Sie sich heute?

Ich arbeite mit meinem Partner Philipp Stieghan selbstständig als Produktdesignerin. Wir gestalten in unserem Berliner Produktdesignstudio Produkte an der Schnittstelle von Design, Material- und Verfahrenstechnologie. In Studien und Experimenten decken wir neue Potentiale und Anwendungsbereiche von Materialien und Technologien auf. Wir gestalten Material und gestalten mit Material. Wir entwickeln Produkte in den Bereichen Wohnen, Büro und Accessoires. Konkret aus der Masterarbeit ist eine Kooperation mit der Firma Kinnasand entstanden. Zusätzlich arbeite ich in der Lehre, ich hatte bisher Lehraufträge an der FH Potsdam und an der Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein.

Warum haben Sie sich 2015 für den Designpreis beworben? Was haben Sie sich davon erhofft?

Es ist natürlich wichtig, dass das eigene Können Anerkennung findet. Besonders zu Beginn einer Designerkarriere, wollen potentielle Kunden sehen, ob der Designer Bestätigung in Form von Wettbewerbsgewinnen bekommen hat. Deshalb ist es essentiell, dass man sich einer unabhängigen Jury stellt und seine Arbeit bewerten lässt. Außerdem ist es toll, dass man mit einem Geldpreis honoriert wird. Vieles tut man nur für Ruhm und Ehre, aber ein Geldpreis hilft natürlich besonders am Anfang.

Hat sich nach der Teilnahme am Designpreis etwas für Sie geändert?

Wir haben ja einige Preise gewonnen und hatten viel Presse dadurch. Das ist auch wichtig, um sich einen Namen zu machen.

Welche Bedeutung hat der Designpreis Brandenburg in der Designszene?

Der Preis hat sich immer mehr rumgesprochen und wird besonders für junge Kreative immer wichtiger. Obwohl es ein junger Preis ist, hat er enorm an Zuwachs gewonnen

Welchen Status haben die Designtage Brandenburg unter den Kreativen?

Brandenburg hat es natürlich neben der Hauptstadt Berlin nicht leicht. Allerdings zählen die Berliner Designfestivals national und international auch nicht zu den bekanntesten. Regional haben die Designtage auf jeden Fall eine wichtige Position.